Saatgut Qualität fängt bei dem Vermehrer an! Was macht einen guten Vermehrer aus.

Saatgut und Pflanzguterzeuger oder Vermehrer werden seit jeher als die „besseren” Ackerbauern bezeichnet. Besser im Sinne von: sich mehr und intensiver mit dem Pflanzenbau zu beschäftigen, mehr Zeit in die Pflege der Bestände zu investieren sowie eine deutliche spezialisiertere Fruchtfolge anzulegen als dies bei einem klassischen Ackerbauern der Fall ist.

Aber es heißt auch eine höher Risikobereitschaft, denn nicht immer geht die Rechnung auf. Das Basis-Saatgut oder Basis-Pflanzgut ist im Einkauf teuerer, die Aufwendungen pro Hektar sind höher und die Risiken der Anerkennung durch die amtlichen Stellen sind nicht zu verkennen.

Qualität ist ein entscheidender Faktor in der gesamten Produktionskette der Saat- und Pflanzgut Produktion. Die neuen Sorten tragen ja doch große Hoffnungen in sich, nicht nur bei den Züchtern sondern auch bei den Landwirten, die sich durch den Einkauf von Z-Saatgut einen höheren Ertrag erhoffen.

Aber wo fängt Qualität an und wo hört sie auf, was muss ein Vermehrer beachten, wie bereitet er sich vor, was macht er anders – was macht einen guten Vermehrer aus, damit die Qualität stimmt?

Fragen die Dr. Christian Augsburger, Geschäftsführer der Bayerischen Saatbauverbände gern beantwortet.

Die Qualität des von einem Vermehrer erzeugten Saat- und Pflanzgutes beginnt bei der Einstellung des Vermehrers zu seiner Arbeit. Und die Qualität von Saat- und Pflanzgut hört dann auf, wenn der Landwirt mit dem von ihm gekauften Z-Saatgut zufrieden ist.

Der Vermehrer ist ein wichtiger und entscheidender Teil einer großen und langen Verarbeitungskette von der Entwicklung und Erhaltung der Sorte bis zum abgesackten Z-Saatgut bzw. Z-Pflanzgut, das auf dem Betrieb des Landwirtes kommt. Fehler in der Vermehrung von Saat- und Pflanzgut wirken sich besonders schwerwiegend auf die Qualität des Endproduktes aus.

Hervorragendes ackerbauliches Können recht für die Erzeugung von Saat- und Pflanzgut allerdings nicht aus. Ein guter Vermehrer betreibt die Saatgutvermehrung vielmehr mit Herzblut und Leidenschaft. Die Saatgut- und Pflanzgutvermehrung ist für den Vermehrer nicht nur ein bloßer Betriebszweig. Langjährige Erfahrung und Fingerspitzengefühl sind entscheidende Faktoren, denn Saatgut- und Pflanzgutvermehrung erlernt man nicht von heute auf morgen.

So setzt die Eignung als Vermehrer fundierte Kenntnisse über die jeweiligen Sorteneigenschaften der zu vermehrenden Sorte sowie über die möglichweise auftretenden Pflanzenkrankheiten und Schädlinge voraus.

Was sagen Sie, was macht den Unterschied zwischen einem Saatgut- und Pflanzgut-Vermehrer oder Saatgut- und Pflanzgut-Erzeuger und einem klassischen Ackerbauern aus?

Der Saat- und Pflanzgutvermehrer muss seinen gesamten Betrieb auf die Vermehrung von Saat- und Pflanzgut ausrichten, selbst wenn dieser Bereich nur einen Teil seiner jährlich verfügbaren Ackerfläche betrifft. Denn die Vermehrung ist das 1. Fruchtfolgeglied, nach dem sich die anderen Fruchtfolgeglieder ausrichten müssen. Feldhygiene ist oberstes Gebot und betrifft die gesamte betriebliche Fläche.

Die amtliche Anerkennung ist die letzte Stufe in der Produktionskette von Saatgut und Pflanzgut, wie sehen Sie die Möglichkeiten eines Vermehrers die Qualität zu sichern?

Das amtliche Anerkennungsverfahren hat sich über viele Jahrzehnte als mehrstufiges Kontrollsystem bewährt. Wichtige Bestandteile sind zum Teil mehrmalige Feldbesichtigungen sowie die Beschaffenheitsprüfungen auf innere und äußere Qualitätsmerkmale.

Ein erfolgreich abgeschlossenes amtliches Zertifizierungsverfahren ist die Voraussetzung für die Vermarktung von Saat- und Pflanzgut als Zertifiziertes Saat- bzw. Pflanzgut.

Bereits vor den offiziellen Kontrollen hat der Vermehrer zu beurteilen, ob eine ausgesäte Vermehrung dem amtlichen Zertifizierungsverfahren unterzogen werden kann oder nicht.

Auf eine erfolgreiche Feldbesichtigung hat der Vermehrer erheblichen Einfluss. Hier wird der Grundstock für die Erzeugung qualitativ hochwertigen Saat- und Pflanzgutes gelegt. Die Feldbesichtigung setzt gleichmäßige, lückenfreie Bestände voraus, Abstandregeln müssen beachtet sowie fremde und von der Sortenbeschreibung abweichende Typen müssen entfernt werden. Darüber hinaus müssen bei Pflanzkartoffeln kranke Pflanzen identifiziert und eliminiert werden, bei Saatgut muss der Fremdbesatz an anderen Arten bereinigt werden.

Dr. Christian Augsburger,
Bayerische Saatbauverbände
(Landesverband der Saatkartoffel-Erzeuger-Vereinigungen in Bayern e.V. (SKV)
Landesverband Bayerischer Saatgetreideerzeuger-Vereinigungen in Bayern e.V. (SGV)
Landesverband der Feldsaatenerzeuger in Bayern e.V.( LdF))

Dr. Augsburger

Dr. Christian Augsburger

Geschäftsführer der Bayerischen Pflanzenzucht- und Saatbauverbände

Gutes Saatgetreide und Pflanzgut braucht dringend Wasser und erfahrene Vermehrer

BDS-Vorsitzender Dr. Gerhard Schilling im Kurzinterview

Vielerorts in Deutschland fehlt dringend Regen. Während in einigen Regionen in den Wintermonaten die Wasserspeicher in Teilen wieder gefüllt wurden, blieben andere Regionen, vor allem in Mittel- und Ostdeutschland, unterversorgt. Markige Ost- und Nordwinde sowie hohe Temperaturen haben die Böden zusätzlich ausgetrocknet. Dort, wo es möglich ist, laufen seit vor Ostern die Beregnungen, auch in den Vermehrungsbeständen.

Nach den Jahren 2018 und 2019 kündigt sich somit in Folge ein drittes Jahr mit extremen Witterungsereignissen an. Sofern nicht in den ersten Maitagen ergiebigere Niederschlagsereignisse einsetzen, sind deutliche Ertragsreduzierungen zu erwarten, die sich in Vermehrungsbeständen zum einen über den Ertrag und zum zweiten über die Korngrößen niederschlagen.

Was können Vermehrer tun, um in diesen Zeiten eine ausreichende Versorgung mit Z-Saatgut zu sichern?

Seit je her gelten Vermehrunsgbetriebe als Spezialbetriebe mit einem besonderen pflanzenbaulichen know how. Sie sorgen über die Auswahl der Flächen bezüglich Fruchtfolge und Bodengüte sowie über eine ausgefeilte Produktionstechnik für gute Voraussetzungen, um eine Vermehrungsanlage zu einem optimalen Ergebnis zu führen. Allerdings stehen die Betriebe auch seit Jahren schon unter einem erheblichen wirtschaftlichen Druck, weil die Vermehrervergütungen schon sehr lange nicht mehr an die steigenden Produktionskosten angepasst wurden und die heimische, regionale Produktion durch Saatgutimporte aus Ländern mit niedrigeren Züchterlizenzen belastet wird.

Dr. Schilling

Dr. Gerhard Schilling

BDS-Vorsitzender